BECOMING OUTLINE
Video, 70 min
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Legende
Video, 4K dcp, 5.1 surround, 70 min
nach dem Buch dichtegeschichte in 18 Räumen [WVZ 120]
Drehbuch/Regie/Schnitt: mb; Kamera: Marianne Andrea Borowiec
Sound: Andreas Hamza; Tonschnitt/ Soundmix: David Almeida–Ribeiro
Sound mix 5.1: Thomas Pötz Kava; 
Musik: Stefan Nemeth
Ich–Darsteller*innen: Anna Kohler Frauenlob, Lotta Bösch, Matilda und Isabella Lurf,
Jona Moro, Gwendolin Kovacic, Katrin Kröncke, … uvm.; 

Mutter: Anat Stainberg; Vater: Thomas Hörl
Vertrieb distribution: sixpackfilm, 2024
gefördert von: BMKOES Film, Stadt Wien Film, Land NÖ, Otto Mauer Fonds


„In Becoming Outline sind die 18 Grundrisse der Wohnungen, in denen ich gelebt habe, als Filmkulisse und rot gesteckter Umriss auf einer Wiese, Eins zu Eins, zu sehen - ein räumlicher Lebenslauf, der fragmentarisch das Erwachsenwerden thematisiert. Was bedeutet es, 'im Nachteil zu sein' und aus einer ökonomisch kapitalschwachen, patriarchalen und kulturell ungebildeten Familie mit Migrations-'Vordergrund‘ zu kommen? Was heißt das Wort 'Selbstermächtigung' und wie lässt sich so eine Geschichte filmisch erzählen? Mein Experiment eines konzeptionellen Coming-of-Age Films.“ mb

Text Crossing Europe
Wenn Nachforschungen die Stationen des eigenen Lebens zum Gegenstand haben, drängt sich das „Zuhause“ in das wissenschaftliche „Feld“ hinein: In diesem experimentellen „Coming-of-Age“-Film erzählt Miriam Bajtala eine autobiografische Geschichte von Migration und dem Kampf gegen sozioökonomische Benachteiligung. Wiederkehrend ist ein tatsächliches Feld, auf dem rote Bänder – gleichsam als Fäden – die Grundrisse aller bisher von der Künstlerin bewohnten Wohnungen über das Gras ziehen. Doch auch in anderen Räumen performen die Hauptdarstellerinnen fast aller Altersstufen ein visuell und sprachlich unerschöpflich einfallsreiches Spiel: Die Protagonistin, sie ist viele. (Jakob Dibold)

Text Diagonale
Für einen Moment erstarren Vater, Mutter und Tochter zum Tableau vivant, ein Gemälde imitierend. Aus dem Off erzählt eine Stimme eine Episode aus dem Leben der Urgroßmutter, die einst als Erntehelferin nach Frankreich ging. Miriam Bajtalas Becoming Outline ist Autoethnografie, Familienaufstellung und vielschichtig-komplexes Selbstporträt in einem. Der Film durchläuft die Stationen der Migrationsgeschichte der Familie – Frankreich, Tschechoslowakei, Österreich – und ihrer sozialen, also auch psychologischen, finanziellen und intellektuellen Emanzipation. Laiendarsteller:innen spielen Szenen aus dem Aufwachsen und dem Erwachsenenleben der Regisseurin nach: Kirschkernspucken auf ein Porträt des Generalsekretärs der Kommunistischen Partei als Akt politischer Subversion; Weihnachten unterm Plastikbaum vor einer Papierkrippe aus der Kronen Zeitung; studentische Verlorenheit vor Bücherstapeln.
Auf einer sommerlichen Wiese zieht rotes Textilband die Umrisse der 18 Wohnungen nach, in denen die Regisseurin an diversen Orten von Oberösterreich bis Kanada gelebt hat. Aller Präzision der Erinnerung zum Trotz sind die konkreten Räume abstrakte Umgebungen für prägende Erlebnisse geworden – rätselhafte, schambesetzte, befreiende. Die Weite der Wiese um die Umrisse herum antizipiert den Ausbruch aus beengten Verhältnissen, setzt die Emanzipation ins Bild, bevor die Erzählung sie einholt. Auf diese Weise löst Bajtala die am Anfang des Films zitierte in der klassischen Anthropologie vorgenommene Unterscheidung zwischen „Feld“ und „Zuhause“ auf: Die Beschäftigung der Regisseurin mit sich selbst und ihrer Familie geht über die Grenzen einer Autobiografie hinaus, um zum systematischen Blick auf jene Strukturen zu werden, die eine individuelle (Familien-)Geschichte geprägt haben. (Fabian Tietke)

Text sixpackfilm
Das Feld und das Zuhause seien in der klassischen Anthropologie getrennte Erkenntnissphären, heißt es zu Beginn von Miriam Bajtalas Becoming Outline. In der forschenden Konfrontation mit der eigenen (Familien-)Geschichte aber fällt beides ineinander - Distanz und Vertrautheit, Objektivität und Verwoben-Sein, rationales Verstehen und affektive Betroffenheit. Entlang der Räume, die die Künstlerin in der Slowakei, Österreich, Canada und Zentralamerika bewohnt hat, unternimmt der Film den Versuch einer produktiven Auseinandersetzung, der Übersetzung eines subjektiv erfahrenen Lebens in eine künstlerische Form, in der – wie uns die die Tonspur bewohnende Erzählerin/Forscherin am Ende erläutert – „die Zerrissenheit Erfahrung wird“.
Ohne das Persönlichste zur Nabelschau des Privaten und Innersten werden zu lassen, entwirft Becoming Outline eine filmische Form, die die Dimensionen Klasse, Nation, Geschlecht als Elemente des eigenen Erlebens, der persönlichen Sozialisation, der eigenen Konstitution beschreibt. Diesen diskursiven, politischen, historischen Räumen stellt der Film das Werden eines eigenen, freieren „room of one’s own“ (Viginia Woolf) entgegen. Film und Performance, Bilder und Stimmen, Fiktion und Dokument, die Zeichen und Affekte greifen dabei nahtlos ineinander und verweben so Wohnungen mit Sporthallen, Grenzposten mit Hotels, Lehrer*innenzimmer mit Autoinnenräumen, um sie immer wieder zurück auf ein buchstäbliches Feld zu führen und dort neu anzuordnen. Die Begegnung mit dieser Form ließe sich als involvierte/involvierende Abstraktion beschreiben, die das Einfühlen nur so weit einfordert, dass es den Spielraum der Übertragung auf das eigene Leben für den*die Betrachter*in nicht verunmöglicht. (Alejandro Bachmann)

Internationale Premiere: 29th Ji.hlava Documentary Film Festival 2024
Nationale Premiere: Diagonale 2025
Crossing Europe, Linz, local artists, 2025
Ethnocineca, Wien 2025

TRAILER

Ausschnitte des Films becoming outline
(
1 min oder 30 sec):